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Falsche Freunde zwischen italienischem und deutschem Strafrecht

Avv. Massimo Romano · aktualisiert am 17/08/2026

Die naheliegende Übersetzung eines italienischen strafrechtlichen Begriffs ist meist nah genug, um geglaubt zu werden, und falsch genug, um teuer zu werden. Dies sind die sieben, die deutschsprachige Mandanten am häufigsten zu einer sicheren Entscheidung auf falscher Grundlage führen.

Angewandte Vorschrift: Glossario ragionato
Geprüft am 17/08/2026.

Begriffe, die nicht bedeuten, wonach sie aussehen

Patteggiamento ≠ Verständigung

Sie legen kein Geständnis ab und räumen die Tat nicht ein — anders als bei der Verständigung nach § 257c StPO, bei der ein Geständnis regelmäßig die Grundlage bildet. Die Parteien einigen sich auf ein Strafmaß, und der Richter muss zusätzlich prüfen, dass kein Freispruchgrund aus der Akte folgt. Für Führungszeugnis und Aufenthaltsrecht wirkt das Ergebnis dennoch wie eine Verurteilung: das missverstehen Mandanten am häufigsten.

Querela ≠ Strafantrag

Beide sind Verfolgungsvoraussetzung, doch die Fristen und die Rücknahmewirkungen decken sich nicht. Die italienische Frist beträgt drei Monate, und die Rücknahme muss vom Beschuldigten angenommen werden. Wer die deutsche Frist im Kopf hat, rechnet falsch.

Parte civile ≠ Nebenklage

Die italienische parte civile verlangt nur Schadensersatz. Sie trägt die Anklage nicht mit, beantragt kein Strafmaß und kann einen Freispruch strafrechtlich nicht anfechten. Der Nebenkläger nach § 395 StPO kann all das. Wer als Verletzter nach Italien kommt und Nebenklagerechte erwartet, findet sie nicht.

Imputato ≠ Beschuldigter, Angeschuldigter oder Angeklagter

Das deutsche Recht kennt drei Stufen, das italienische zwei. Man ist indagato, solange ermittelt wird, und wird imputato, wenn die Anklage förmlich erhoben ist. Die Zwischenstufe des Angeschuldigten fehlt, und die Rechte verteilen sich anders.

Decreto penale di condanna ≈ Strafbefehl, aber nicht deckungsgleich

Die Institute ähneln sich stark: schriftliche Verurteilung ohne Verhandlung, mit Einspruchsmöglichkeit. Die Frist ist jedoch eine andere, und in Italien führt der Einspruch in eine Verfahrensart, die der Betroffene mitwählen kann. Die Ähnlichkeit verleitet dazu, die deutschen Fristen zu unterstellen.

Prescrizione ≠ Verjährung

Sie läuft ab der Tat und wird durch Verfahrenshandlungen unterbrochen, sodass die Frist nicht von Anfang an feststeht. Seit der Cartabia-Reform wirkt zusätzlich ein eigener Mechanismus in der Berufung: ein Verfahren kann auf zwei verschiedenen Wegen enden.

Ammonimento ≠ Verwarnung

Es wird vom questore ausgesprochen, nicht von einem Gericht, ist keine Strafe und enthält kein Schuldeingeständnis. Sein Verstoß ist jedoch strafbar und es verschärft jede spätere Tat.

Was im Vergleich zum deutschen Recht anders ist

Das Muster ist gleichbleibend: wo sich das deutsche Vokabular um Beschuldigtenstatus und Opportunität herum gebildet hat, hat sich das italienische um eine Akte und eine Abfolge von Verfahrensabschnitten gebildet. Begriffe, die Abschnitte bezeichnen, haben kein Gegenstück, weil die Abschnitte selbst anderswo nicht existieren.

Hat ein Begriff wirklich kein Gegenstück, gehört das italienische Wort beibehalten und erklärt, nicht durch das nächstliegende deutsche ersetzt. Wer hört, es gebe dafür kein deutsches Wort, stellt die nächste Frage. Wer hört, das sei im Grunde eine Verständigung, stellt sie nicht.

Was tatsächlich geschieht

Das sind keine Übersetzungskuriositäten. Jeder dieser Begriffe hat in realen Verfahren reale Fehler erzeugt: ein Mandant, der einem patteggiamento zustimmte in der Annahme, es sei keine Verurteilung, und den Aufenthaltstitel verlor; ein Verletzter, der eine Dreimonatsfrist verstreichen ließ, weil ihm niemand erklärt hatte, dass die querela nicht wie der deutsche Strafantrag funktioniert.

Steht einer dieser Begriffe in einem Schriftstück, das Sie erhalten haben, ist das der Moment zu fragen und nicht zu vermuten.

Häufige Fragen

Was ist das patteggiamento und sollte ich zustimmen?

Eine mit der Staatsanwaltschaft vereinbarte und vom Richter gebilligte Strafe, ohne Schuldeingeständnis. Sie begrenzt das Risiko und beendet das Verfahren schnell, wirkt aber für Führungszeugnis und Aufenthaltsrecht wie eine Verurteilung.

Gilt das patteggiamento als Verurteilung?

Für die praktischen Folgen ja, einschließlich Aufenthaltstitel, Einbürgerung und Führungszeugnis. Es als etwas Geringeres als eine Verurteilung zu behandeln, ist der häufigste und teuerste Irrtum.

Angewandte Vorschriften

  • Artt. 444 ff. c.p.p.
  • Artt. 336 ff. c.p.p.; art. 124 c.p.
  • Artt. 76 und 79 c.p.p.
  • Art. 459 c.p.p.
  • Art. 157 c.p.; art. 344-bis c.p.p.

Geprüft am 17/08/2026. Die Strafrahmen des italienischen Rechts ändern sich; wenn Sie diese Seite viel später lesen, fragen Sie uns nach einer Bestätigung.

Avv. Massimo Romano — italienischer Strafverteidiger, Rechtsanwaltskammer Neapel Nr. 14553, seit dem 23. Oktober 2015 beim Kassationshof zugelassen.

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